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Schubkarre und Unterhosen oder: „Sind Sie vielleicht Dracula...?“
Wir sind die Gruppe der Messdienerinnen und Messdiener der Pfarre St. Laurentius in Stolberg-Gressenich
(Region Aachen-Land). Der KO-Kreis in unserer Stadt hat uns den Namen „Mini-Power“ zugedacht, der nicht bei allen aus unserer Gruppe Zustimmung gefunden hat. Zwar haben wir sehr viel Power bewiesen (und die haben
wir wirklich!), aber gerade deshalb ist es eben überhaupt nicht „Mini“. Aber als Abkürzung von „Ministranten“ haben wir das Wort dann gelten lassen...
Unsere Aufgabe hat sich im Laufe der Vorbereitung und Planung etwas gewandelt: Zuerst wollten wir neue
Spielgeräte im Garten hinter dem Pfarrheim aufbauen, aber weil das dem Kirchenvorstand nicht recht war, haben wir uns auf den Vorschlag eingelassen, den Omerbach (der durch Gressenich fließt) und den Hamicher Weg
(einen Feldweg, der von vielen Jugendlichen und Spaziergängern genutzt wird) zu säubern. Obwohl sich diese Aufgabe vielleicht ein wenig topfig anhören mag, war die Wirklichkeit doch ganz anders! Alleine schon die
Beteiligung spricht Bände: Von den 40 Messdienerinnen und Messdienern der Pfarre St. Laurentius in Gressenich haben sich 27 bei unserem CONTACTION-Projekt beteiligt! Eine wirklich starke Leistung.
Allerdings hatten wir das Projekt auch ein wenig aufgepäppelt, indem wir es mit einem
„Messdiener-Zeltlager“ im Pfarrheimgarten verbunden haben, mit den obligatorischen Zeltlager-Aktionen wie Lagerfeuer und Stockbrot, Grillen und Gitarrenlieder, Nachtwanderung und Gruselgeschichte.
Aber, fangen wir mal vorne an. Los ging es am Freitag, dem 11.07.2003 mit dem Zeltaufbau um 17.00 Uhr.
Hier war schon viel los und so manches Zelt wäre ohne die tatkräftige Unterstützung der Eltern nicht „bewohnbar“ geworden. Bei leckeren Grillwürstchen und wunderbaren Salaten konnten wir uns dann alle nach dieser
ersten Anstrengung stärken. Der Tag endete nach einer langen Nachtwanderung mit zünftiger Gruselgeschichte, bei der so mancher Messdiener bei der Antwort auf die Frage „Sind Sie etwa Dracula?“ vor Schreck drei
Schritte zurückgesprungen ist.
Am Samstag haben wir uns dann nach dem Frühstück in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe hat die
Gummistiefel ausgepackt und sich auf den Weg in den Omerbach gemacht, die andere Gruppe hat den Hamicher Weg inspiziert. Ausgerüstet waren wir mit Gummihandschuhen und blauen Müllsäcken, die uns von der Stadt
Stolberg zur Verfügung gestellt worden waren – allerdings waren wir nicht gefasst auf das, was uns schließlich am Wegrand und im Wasser erwartete. Dabei waren es weniger die Wasserratten, die uns erschreckten (die
hatten wohl mehr Angst vor uns als wir vor ihnen). Was uns vielmehr die Haare zu Berge stehen ließ war, was die Menschen so alles wegwerfen: dreckige Unterhosen, stinkende Babywindeln, rostende Metallrohre, eine
kleine Schubkarre, Radkappen und zahlreiche weitere Auto-Ersatzteile („ein halbes Auto“, haben die Kinder nachher gesagt). Unheimlich viel Plastikmüll, zahllose Metallteile in allen möglichen Größen und Formen, eine
alte Wolldecke, leere Flaschen und eine löchrige Fischreuse – es ist zuviel, alles aufzuzählen, was wir da aus dem Wasser gezogen oder im hohen Gras und hinter Büschen am Wegrand gefunden haben. Insgesamt haben wir
10 große blaue Säcke gefüllt – also vielleicht sogar 700 bis 800 Liter Müll.
Eine willkommene Erfrischung brachte uns mitten während unserer Sammelaktion unsere Patin Frau
Hildegard Nießen MdL: sie hatte für alle ein Eis gekauft und überraschte uns bei dem heißen Wetter mit dieser kühlen Überraschung (Natürlich haben wir nach dem Genuss sehr pflichtbewusst alle leeren Eispapiere und
–stiele in unseren Müllsäcken gesammelt!) Etwa zur selben Zeit tauchte auch das CONTACTION-Filmteam unter der Leitung von Paul Arns bei uns auf (die Gruppe hatte einige Probleme, uns zu finden, da wir an unseren
Sammelplätzen im Bach oder am Weg ziemlich verstreut und voneinander entfernt waren). Einige sehr lustige Fotos und Filmsequenzen hat das Filmteam in den Kasten bekommen, wie man im Internet bewundern kann – man
sieht deutlich, wie viel Spaß wir alle hatten (und zwar nicht nur –aber auch– als das Filmteam bei uns war). Irgendwann später haben wir auch noch Besuch von der örtlichen Zeitung bekommen und auch hier ein paar
sehr lustige und gelungene Fotos abgeliefert.
Nach der großen Sammelaktion haben wir uns bei einem guten Mittagessen im Zeltlager gestärkt, um
anschließend wieder durch unseren Ort zu streifen, diesmal allerdings mit einer ganz anderen Intention: Diesmal hatten wir ein ganzes Paket von mehr als 50 Aufgaben zu lösen im Rahmen einer langen Dorfrallye. Wir
mussten Gedichte verfassen, etwas Lebendiges mitbringen, Dinge abzeichnen, Fragen beantworten, Wege finden, Menschen nach ihrer Schuhgröße fragen, Abkürzungen entziffern und noch vieles mehr. Und das alles in der
mörderischen Nachmittagshitze. Aber so durch Gressenich zu laufen und dabei auf Dinge zu achten, die uns noch niemals zuvor aufgefallen sind, das war schon ein Erlebnis der ganz eigenen Art. Jedenfalls hat es allen
viel Spaß gemacht.
Wer nach dieser Anstrengung noch Kraft übrig hatte, konnte sich wieder in den nun fein gesäuberten
Omerbach stürzen, um einen zünftigen Staudamm zu bauen (den wir natürlich nachher auch wieder abgebaut haben, denn wir wollten der Natur ja „keine unnötigen Steine in den Weg legen“).
Nach einem gemütlichen Abendessen im Zeltlager entzündeten wir ein Lagerfeuer, in dem wir Stockbrot und
Baguettestücke rösteten. Später am Abend haben wir dann zu den Klängen einer (etwas verstimmten) Gitarre fröhliche und lautstarke Lieder gesungen, die das Pferd auf der Nachbarswiese sicher sehr genossen hat (es hat
jedenfalls ohne einen Muckser von sich zu geben zugehört). Spät am
Abend (um nicht zu sagen „mitten in der Nacht“) sind wir schließlich todmüde in den Schlafsack
gefallen. Am Sonntag Morgen gab es wieder ein leckeres Frühstück (wie bei allen Mahlzeiten hatten sich auch hier einige Eltern zum Helfen und „Lebensmittel-Organisieren“ bereiterklärt). Danach gab es noch eine
„messdiener-spezifische“ Besonderheit unserer CONTACTION-Aktion, denn in der Familienmesse in unserer Kirche haben wir die neun neuen Messdienerinnen und Messdiener in ihren Dienst eingeführt und in die Gemeinschaft
der Messdienerschaft von St. Laurentius aufgenommen (in der sie ja nun während des CONTACTION-Wochenendes zumindest seit drei Tagen sehr tatkräftig mitgewirkt hatten).
Nach dieser feierlichen Messdienereinführung mussten natürlich noch die Zelte abgebaut werden und unser
Zeltplatz hinter dem Pfarrheim gesäubert werden (was erstaunlich schnell ging – wahrscheinlich hatten wir alle aufgrund unserer CONTACTION-Säuberungsaktion dermaßen genug vom Müll gehabt, so dass wir selbst kaum
Dreck gemacht haben). Mit einem abschließenden Mittagessen haben wir dann den offiziellen Schlusspunkt unter unser CONTACTION-Projekt gesetzt.
Einige von uns sind noch nach Aachen zur Abschlussveranstaltung gefahren, die anderen haben sich völlig
ausgepowert ins Bett gelegt. Es war aber für alle ein wundervolles Wochenende, ein unvergessliches Erlebnis und eine Gemeinschaftserfahrung, die unsere Messdienerschaft nachhaltig zusammengeschweißt hat. Also im
wahrsten Sinne des Wortes: „Get together, join the action, we will celebrate CONTACTION“!
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